Gute Verbindungen – Faszien geben inneren Halt

Das Wort Faszien ist derzeit immer wieder in aller Munde. Was ist dran an diesem Fasziengewebe, dass es plötzlich so viel Wichtigkeit erhält? Was sind Faszien überhaupt?

Gute Verbindungen – Faszien geben inneren Halt

Faszien sind die Fasern des Bindegewebes, sie halten unseren Körper zusammen. Denken Sie an das weiße Gewebe, das unsere Muskeln umgibt. Dieses Bindegewebe finden Sie überall im Körper, von den Organen bis hin zum Gehirn. Dh. es geht bei Faszien nicht nur um die Muskeln, sie stützen den Körper auf vielen Ebenen und haben ein eigenes Kommunikations- ja Leitsystem, das im Körper als „Netz des Lebens“ wesentlich mehr ist, als wir bisher glaubten. Unter dem Mikroskop schauen Faszien aus wie ein riesiges Spinnennetz mit vielen Tautropfen dazwischen. Die Faszien „bewässert“ zu halten, ist ein maßgeblicher Punkt für ihre Funktionalität und Geschmeidigkeit. Trinken Sie am Morgen heißes Wasser, dann wird dort „geputzt“ und die Elastizität gefördert. Eine Idee, die aus der TCM kommt, der traditionellen chinesischen Medizin, und ziemlich wirkungsvoll ist.

Früher sprach man von einem starken Knochengerüst, das alles zusammenhält. Heute weiß man aus der Forschung, dass unser Bindegewebe genauso maßgeblich hält und ein Körper im Körper ist. Carla Stecco, Professorin für Anatomie an der Universität Padua, liefert den Beweis, dass Faszien alternativen Behandlungsmethoden wie Yoga, Akupunktur oder Osteopathie zugrunde liegen und dass das nichts mit Esoterik zu tun hat.

Meine Bewegungserfahrung aus dem zeitgenössischen Tanz bestätigt dies ebenfalls. Die Zugangsweise mit Wahrnehmen, Spüren und Dehnen ist genau das, was die Faszien brauchen. Mit der Bewegung wahrzunehmen, wo man sich im Körper befindet, wie das beschaffen ist und adäquat zu beüben, unterstützt den Körper in seiner faszialen Grundstruktur um geschmeidig zu bleiben und sich schmerzfrei zu bewegen. Durchlässigkeit ist die Bezeichnung, die in einer Stunde obenan steht, damit verklebte, steife, angespannte Muskeln wieder in ihren Ursprungszustand der Flexibilität und Beweglichkeit zurückkehren können. Dies ist auch die Grundlage der Myoreflex-Schmerz-Therapie nach Dr.Kurt Mosetter. Fundiert, immer am letzten Stand der Forschung, hat er unterschiedliche Disziplinen zusammengeführt: Die Anatomie samt Biomechanik und ihren physikalischen Gesetzen, die Verbindungen der Muskeln in den komplexen Zusammenhängen der Neuroanatomie und die Biochemie mit ihrer Wirksamkeit in den Zellen und einer sinnvollen Zellernährung.

Ja, die Anspannung in den Muskeln hat auch immer mit Biochemie zu tun, und Sie als Klient oder Klientin können dies selber beeinflussen. Dieses komplexe, intensiv beforschte Gebiet der Biochemie ist verantwortlich dafür wie Energie den Muskelzellen zur Verfügung gestellt wird. Wenn Muskeln richtig funktionieren sollen, gehören die Zellen richtig „gefüttert“. Dies hat für die Klienten mit Bewegung und mit Ernährung zu tun, aber auch mit unserem persönlichen Verhalten. Gefühle machen hungrig oder satt. Verhalten wirkt auf die Muskulatur und die sie umgebenden Faszien, somit auf den gesamten Körper, den sie stützen und halten.

In der „Myo“, wie wir Kollegen sie nennen, wird das System der Faszienverbindungen in den Muskelketten genützt, um mit einer Aktivierung durch Druckpunktstimulation Kontakt ins Gehirn aufzunehmen, wo in den Basalganglien unsere Spannungs- und Bewegungsmuster gespeichert sind. Das Wunder Körper liefert von dort die gesunde Grundspannung in den Muskel zurück, wenn die Ansteuerung fachgerecht erfolgt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr der Körper schon auf einen kleinen Anreiz am Muskel-Sehnen-Übergang reagiert und Klienten erleben, wie sich der Schmerz verflüchtigt.

Joachim Bauer, der Neurobiologe, hat durch Forschung aufgezeigt, dass jegliche Emotion, ob wir sie wahrnehmen oder nicht, unseren Körper maßgeblich beeinflusst. Emotion und Muskel können niemals getrennt gesehen werden, wie es in der konservativen Medizin vorgesehen ist. Es ist generell spannend zu erleben, wie sich beim Klienten bei Myoreflex unter meinen Fingern Spannungszustände lösen und wie dies nicht nur im muskulären Bereich sondern auch auf die emotionale Befindlichkeit wirkt. Durch das Beheben der Blockaden kann an der Aufrichtung im Sinne der Biomechanik gearbeitet werden. Eine Aufrichtung, die der Biomechanik entspricht, lässt die Muskeln mühelos zusammenarbeiten und verhindert Schmerzgeschehen. So macht es Sinn mit gezielten Übungen, sprich heilsamen Dehnungen, das System der Muskeln entlang der Faszienbahnen zu beüben und diese Dehnungen mit Myoreflex zu erleichtern. Ein Hinspüren und Nachlassen bringt Erleichterung bei Stress und somit ein zur Ruhe kommen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Es kommt oft vor, dass bei Rechtshändern in der rechten Schulter durch das beständige Bedienen der Computer-Maus eine Überbelastung stattfindet und die Schulter in Streik geht. Beim Palpieren der Schulter unter dem Schlüsselbein Richtung Schultergelenk wird dabei die Muskelkette aktiviert, die in der Diagonale über den Bauch bis ins linke Bein geht. Blockaden können auf der ganzen Länge korrigiert werden. Die Klientin – ich erinnere mich gut – war äußerst erstaunt, dass nicht nur die Schulter sondern auch das Knie Erleichterung erfahren hat. In den Muskelfaszienketten zu arbeiten macht also Sinn bei Verklebungen, Versteifungen oder Anspannungen, um diesen inneren Halt zu gewährleisten, den wir für einen gesunden Körper brauchen. Gesundheit ist gar nicht so weit weg wie wir glauben.

Muskeln und Faszien haben ein unterschiedliches Tempo was Anspannen und Entspannen betrifft. Der Muskel muss in der Bewegung meistens rasch angespannt werden – was würden wir ohne Bewegung im Alltag machen? Die Faszien sind langsamer, sie brauchen Zeit bis sie reagieren und wollen zur Dehnung eingeladen werden. Beim Üben ist das dann ein Zählen bis 10, damit das Fasziengewebe genug Zeit bekommt, um sich aufzudehnen. Bewegung ist ein spürbares Phänomen und so lohnt es sich auf das Zusammenspiel von Muskel und Faszie in der Bewegung zu achten, um das stimmige Tempo zu finden.

Das Gehirn stellt die Muskulatur auf Hochspannung, wenn der Druck von außen oder innen ständig zu viel ist. Dann kann es sein, dass der Körper beginnt Schaden zu nehmen und nicht mehr kompensieren kann. Schmerz ist ein Signal: Hilfe, da läuft etwas falsch! So lohnt es sich den Schmerz ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. Denn der Körper mit seinen Muskeln und Faszienbahnen trägt von Natur aus in sich, was für ihn stimmig ist und was er braucht um gesund zu bleiben oder zu werden. Über die Faszien kann dies positiv beeinflusst werden und im Körper die gesunde Grundspannung aufbereitet werden, die für einen inneren Halt und eine gute Verbundenheit steht.

 

Soweit heute. Das nächste Mal geht es weiter, mit Myoreflex und Faszien zum Thema Rückenschmerzen. Ich freu mich, wenn Sie mit dabei sind! Haben Sie Fragen? Bitte schreiben Sie mir unter

ch.forsthuber@gmx.at.

Veröffentlicht unter Allgemein

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